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» Sprüche
 
» Weihnachten
 
Dodo Kresse
ein panther lag im schnee
und ließ sein fellchen glänzen -
das liebe tierchen wollte weihnacht schwänzen.
 

 
Volksgut
WEISSE WEIHNACHTEN

Die weiße Weihnacht, haben wir sie wieder?
Die Kinder singen lustige Winterlieder.
In den letzten Jahren konnte Schnee die Erde nicht bedecken,
wir mussten die Füße in Gummistiefel stecken.

Durch Pfützen stapfte man, im Matsch hing man fest
und das immer pünktlich zum Weihnachtsfest.
Die weiße Weihnacht wo war sie nur hin?
Nur als Kinder hatten wir sie noch im Sinn.

Dabei knackte manchmal im November der Frost schon so schön,
selbst Eis auf dem Wasser konnte man seh’n.
Da hoffte man jedes Jahr zur gleichen Zeit,
auf eine frostige, weiße Weihnachtszeit.

Unter dem duftenden leuchtenden Weihnachtsbaum
erzählte man den Kindern von früher, sie glaubten es kaum,
von Eisblumenfenstern, durch die die Schneekönigin schaut,
von meterhohen Schneemännern, von uns gebaut.

Man konnte den Schlitten über das Eis schieben,
wir haben uns gegenseitig mit Schnee abgerieben,
dann gab’s eine zünftige Schneeballschlacht
und abends hat Mutti dann Tee gemacht.

Da rochen aus dem Kachelofen die Bratäpfel lecker,
die Küche sah aus wie beim Zuckerbäcker,
die Schlittschuhe wurden noch an die Schuhe geschraubt,
aus der heißen Dämpfmaschine die heißen Kartoffeln geklaut.

Heute gibt’s für die Äpfel die Mikrowelle
und Kekse und Stollen aus dem Supermarkt auf die Schnelle.
Die Schlittschuhe gibt’s fertig im Stück,
wir haben heute wenigstens die weiße Weihnacht zurück.

Die Kinder hören von Märchen erzählenden Großmüttern,
um Mitternacht ging man Pferd und Kälbchen füttern.
Da leuchten die Kinderaugen unterm Weihnachtsbaum,
geweckt ist wieder dieser alte Weihnachtstraum.

Die Familie ist eng zusammengerückt,
die Kinder hören zu ganz entzückt.
Es ist Weihnachten und die Herzen sind weit,
egal ob es draußen regnet oder schneit.
 

 
Theodor Storm
KNECHT RUPRECHT

Von drauß vom Walde komm´ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann,
Da rief´s mich mit heller Stimme an:

»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt´ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;

Und morgen flieg´ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!«

Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo´s eitel gute Kinder hat.« -

»Hast denn das Säcklein auch bei dir?«
Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier;

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.« -

»Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.«

Christkindlein sprach: »So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!«

Von drauß vom Walde komm´ ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

Nun sprecht, wie ich´s hierinnen find´!
Sind´s gute Kind, sind´s böse Kind?
 

 
Joseph Freiherr von Eichendorff
WEIHNACHTSGEDICHT

Markt und Strassen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh´ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil´ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt´s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!
 

 
Ada Christen
CHRISTBAUM

Hörst auch du die leisen Stimmen
aus den bunten Kerzlein dringen?
Die vergessenen Gebete
aus den Tannenzweiglein singen?
Hörst auch du das schüchternfrohe,
helle Kinderlachen klingen?
Schaust auch du den stillen Engel
mit den reinen, weißen Schwingen? ...
Schaust auch du dich selber wieder
fern und fremd nur wie im Träume?
Grüßt auch dich mit Märchenaugen
deine Kindheit aus dem Baume? ...
 

 
Volksgut
Wir wünschen uns in diesem Jahr
mal Weihnacht’ wie es früher war.
Kein Hetzen zur Bescherung hin,
kein schenken ohne Herz und Sinn.

Wir wünschen uns eine stille Nacht,
frostklirrend und mit weißer Pracht.
Wir wünschen uns ein kleines Stück
Von warmer Menschlichkeit zurück.

Wir wünschen uns in diesem Jahr
’ne Weihnacht, wie als Kind sie war.
Es war einmal, schon lang ist`s her,
da war so wenig so viel mehr.
 

 
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GRATIS-GEDICHTE - ZUM GEBURTSTAG

Dem schönen Tag sei es geschrieben!
Oft glänze dir sein heiteres Licht.
Uns hörest du nicht auf zu lieben,
Doch bitten wir: Vergiß uns nicht.

Wolfgang von Goethe
  

MIT EINEM BLUMENSTOCK

Man sagt, an solchen Tagen sei es Pflicht,
Sich selber einen Spiegel vorzuhalten:
Ich bring ihn dir; verschmäh dies Blümchen nicht!
Es soll dir deinen eignen Wert entfalten.
Sieh der bescheidenen Reseda Blüte,
Ein Bild der Menschenfreundlichkeit,
Die ohne Prunk, voll innerer Herzensgüte,
Den Wohlgeruch der tät´gen Liebe streut.

Eduard Mörike

  
GRATULATION

Aus der Ferne
Diesen Wunsch:
Glückliche Sterne
Und guten Punsch!
Jene für immer,
Diesen für heut –
Und nimm nichts schlimmer
Als Gott es beut.
Raffe dich, sammle dich,
Eins, zwei, drei,
Und verrammle dich
Gegen Hirnschlepperei.
Brich, was nichts halten will,
Brich es entzwei!
Aber hältst du still –
Ist es vorbei.

Theodor Fontane

  
GRATIS-GEDICHTE - ZU MUTTERS GEBURTSTAG

Mit einem Rosenstrauß
Du und dein Sohn,
Sie sind beide schon alt;
Doch blühen noch Rosen,
Und das Herz ist nicht kalt.

Theodor Storm

  
Ich wünsche, daß dein Glück sich jeden Tag erneue,
Daß eine gute Tat dich jede Stund´erfreue!
Und wenn nicht eine Tat, so doch ein gutes Wort,
Das selbst im guten wirkt, zu Taten fort.
Und wenn kein Wort, doch ein Gedanke schön und wahr,
Der dir die Seele mach´und rings die Schöpfung klar.

Friedrich Rückert